Mit Pillion liefert Regisseur Harry Lighton einen Film ab, der sich nicht bequem einordnen lässt und genau darin seine Stärke findet. Die Geschichte beginnt fast unscheinbar: Der schüchterne Colin trifft in einer Bar auf den selbstbewussten Ray. Was zunächst wie eine klassische Begegnung wirkt, entwickelt sich schnell zu einer intensiven Dynamik, die von Macht, Hingabe und persönlicher Suche geprägt ist.
Colin gerät in eine Beziehung, die von klaren Rollen geprägt ist. Ray verlangt Kontrolle, Colin ordnet sich bereitwillig unter. Dabei geht es jedoch weniger um reine Provokation als vielmehr um die Frage, warum Menschen sich nach bestimmten Strukturen sehnen. Pillion interessiert sich nicht für schnelle Urteile, sondern für das Innenleben seiner Figuren. Der Film zeigt eine ungewöhnliche Beziehung ohne sie zu verurteilen oder zu verklären. Genau diese empathische Herangehensweise macht ihn so bemerkenswert.
Besonders spannend ist der Kontrast zwischen den beiden Hauptfiguren. Während Ray genau weiß, was er will, wirkt Colin lange orientierungslos. Diese Reibung sorgt für emotionale Tiefe und treibt die Entwicklung der Geschichte voran. Es entsteht ein ständiges Wechselspiel aus Anziehung und Zweifel, das sich auch auf das Publikum überträgt. Man wird Ray zeitweise ablehnen und sich im nächsten Moment doch wieder von seiner Ausstrahlung einfangen lassen.
Die Stärke des Films liegt klar in seinen DarstellerInnen. Alexander Skarsgård und Harry Melling liefern intensive Performances, die sowohl die körperliche als auch die emotionale Dimension der Beziehung greifbar machen. Gerade Melling gelingt es, Colins Entwicklung glaubwürdig zu transportieren. Vom unsicheren jungen Mann hin zu jemandem, der beginnt, eigene Bedürfnisse zu erkennen und Grenzen zu setzen.
Trotz seiner expliziten Szenen bleibt Pillion überraschend zugänglich. Gespräche mit anderen Subs geben Einblicke in unterschiedliche Perspektiven innerhalb dieser Welt und erweitern den Blick über die zentrale Beziehung hinaus. Dadurch wirkt der Film reflektiert und differenziert statt einseitig oder sensationsgetrieben.
Im Kern ist Pillion ein Coming-of-Age-Film, der sich mit Identität, Selbstbestimmung und emotionaler Abhängigkeit auseinandersetzt. Die letzten Minuten schlagen dabei einen ruhigeren, fast warmen Ton an und zeigen, dass hinter all der Provokation eine sehr menschliche Geschichte steckt. Eine Mischung aus Humor, Schmerz und Zärtlichkeit, die noch lange nachwirkt.
Unsere Besprechung mit dem Tele-Stammtisch könnt ihr übrigens hier nachhören!

























