Mit Power Ballad widmet sich Regisseur John Carney erneut seiner großen Leidenschaft: der Musik. Statt jedoch den kreativen Entstehungsprozess eines Songs in den Mittelpunkt zu stellen, erzählt der Film von Anerkennung, Ehrgeiz und der Frage, wem Kunst eigentlich gehört.
Im Mittelpunkt stehen Rick, einst ein gefragter Sänger, der nun Mitglied einer Hochzeitsband ist, und Danny, dessen Zeit als gefeierter Boyband Star längst vorbei zu sein scheint. Bei einer gemeinsamen Jam Session entsteht ein Song, der Danny unerwartet zurück in die Charts bringt. Allerdings stammt die Idee ursprünglich von Rick, der zusehen muss, wie ein anderer den Ruhm für seine Arbeit erntet. Aus dieser Ausgangslage entwickelt sich eine emotionale Geschichte über Freundschaft, verletzten Stolz und den Wunsch, endlich die verdiente Wertschätzung zu erhalten.
John Carney versteht es wie kaum ein anderer, Musikfilme mit Herz zu erzählen. Gerade deshalb überrascht es, dass ausgerechnet der titelgebende Song nur wenig Eindruck hinterlässt. Wer bei einer Power Ballade an zeitlose Klassiker denkt, die sofort im Gedächtnis bleiben, wird hier vermutlich enttäuscht, denn der entscheidende Song erfüllt zwar seinen Zweck innerhalb der Handlung, besitzt aber weder die emotionale Wucht noch den Wiedererkennungswert, den man von einem musikalischen Höhepunkt erwarten würde. Schon kurze Zeit später ist die Melodie wieder vergessen.
Auch der Humor trifft nicht immer ins Schwarze. Einige Szenen sorgen zwar für ein Schmunzeln, doch viele Gags verpuffen, obwohl mit Paul Rudd und Nick Jonas zwei Darsteller vor der Kamera stehen, die deutlich mehr komödiantisches Talent besitzen, als der Film letztlich ausnutzt. Vor allem Rudd hätte wesentlich mehr Gelegenheiten verdient, seinen Charme auszuspielen. Hinzu kommt, dass sich der Film stellenweise etwas in die Länge zieht. Mehrfach werden dieselben Songs und Auftritte wiederholt, wodurch der Erzählfluss ins Stocken gerät. Gerade im Vergleich zu Carneys früheren Werken fehlt die mitreißende Dynamik, die sich normalerweise bis zu einem emotionalen Finale steigert.
Dennoch funktioniert Power Ballad in vielen Momenten überraschend gut. Besonders gegen Ende gewinnt Ricks persönliche Entwicklung deutlich an Tiefe. Der Film stellt interessante Fragen darüber, wie Erfolg eigentlich definiert wird und ob öffentliche Anerkennung tatsächlich glücklicher macht als die eigene Leidenschaft. Diese Themen verleihen der Geschichte mehr Gewicht, als die vorhersehbare Handlung zunächst vermuten lässt.
Am meisten überrascht allerdings, wie wenig Originalmusik der Film insgesamt bietet. Für einen Regisseur, dessen Filme häufig von ihren Songs leben, wirkt das Angebot ungewöhnlich überschaubar. Neben dem starken Eröffnungslied und „How To Write a Song (Without You)“ bleiben nur wenige musikalische Höhepunkte zurück. Inhaltlich passt das zwar zum Fokus auf die Besitzfrage kreativer Werke, dennoch hätte dem Film deutlich mehr eigene Musik gutgetan.
Podcast mit dem Tele-Stammtisch
Gemeinsam mit dem Tele-Stammtisch ist auch ein Podcast zum Film Power Ballad entstanden:
Fazit
Power Ballad ist kein großes musikalisches Highlight, sondern vielmehr ein sympathischer Film über kreative Anerkennung und persönliche Selbstfindung. Auch wenn der Humor nicht immer zündet und die Musik hinter den Erwartungen zurückbleibt, überzeugt die emotionale Botschaft am Ende. Wer einen entspannten Wohlfühlfilm für einen gemütlichen Abend sucht oder selbst kreativ arbeitet, dürfte hier dennoch einige schöne Momente finden.
Darsteller: Paul Rudd als Rick Power, Nick Jonas als Danny Wilson





















