Viele Horrorfilme erzählen von Monstern, Dämonen oder SerienmörderInnen. Obsession: Du sollst mich lieben geht einen anderen Weg, denn der Film macht aus einem zutiefst menschlichen Wunsch seinen eigentlichen Horror: Der Wunsch, von einer bestimmten Person um jeden Preis geliebt zu werden. Was zunächst romantisch (aber natürlich auch problematisch) klingt, entwickelt sich zu einer Geschichte, die zunehmend verstört und dabei überraschend viel über Besitzdenken und zwischenmenschliche Grenzen erzählt.
Aus Liebe wird Kontrolle
Bear (Michael Johnston) ist unsterblich in Nikki (Inde Navarrette) verliebt, doch seine Gefühle werden nicht erwidert. Als sich ihm die Möglichkeit bietet, mithilfe eines mystischen Gegenstands das Schicksal zu beeinflussen, trifft er eine folgenschwere Entscheidung: Sich zu wünschen, dass Nikki ihn mehrals alles andere liebt. Sein Wunsch scheint zunächst in Erfüllung zu gehen, doch schon bald wird klar, dass Zuneigung, die nicht freiwillig entsteht, etwas völlig anderes hervorbringt. Mehr möchte der Film über seine Handlung eigentlich gar nicht verraten und das ist auch gut so. Gerade die Ungewissheit darüber, wohin sich die Geschichte entwickelt, gehört zu den größten Stärken des Films.

Horror, der unter die Haut geht
Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass Obsession nicht darauf aus ist, möglichst viele Jumpscares aneinanderzureihen. Stattdessen erzeugt der Film eine permanente Anspannung. Mit jeder Szene wächst das Gefühl, dass sich etwas grundlegend falsch entwickelt und genau dieses Unbehagen wird immer intensiver. Was wird Nikki als nächstes tun? Steht sie wieder einfach in tiefster Dunkelheit herum oder schreit sie plötzlich Bear an? Wenn der Horror schließlich eskaliert, kennt der Film kaum noch Zurückhaltung. Einige Szenen sind überraschend brutal und treffen gerade deshalb so hart, weil sie nicht zum Selbstzweck inszeniert wirken. Jede Eskalation ergibt sich aus den Entscheidungen der Figuren und nicht aus bloßer Lust am Schockeffekt.
Ein ungewöhnliches Konzept, das hervorragend funktioniert
Der One Wish Willow gehört zu den interessantesten Ideen, die das Horrorgenre seit längerer Zeit hervorgebracht hat. Der Film nutzt das magische Objekt nicht einfach als Auslöser der Handlung, sondern baut die gesamte Geschichte um dessen Konsequenzen auf. Besonders gelungen ist dabei, dass niemals der Eindruck entsteht, der Horror käme aus dem Nichts, denn alles, was passiert, ist letztlich die Folge einer einzigen egoistischen Entscheidung. Dadurch entwickelt der Film eine Konsequenz, die viele Genrefilme vermissen lassen. Doch wie hätte das verhindert werden können? Klar wird, dass Bear es kein Rückgaberecht auf den Wunsch gibt und jeder nur einen Wunsch frei hat. Auch dieser Teil der Story eröffnet die Möglichkeit, mehr daraus zu machen. Woher stammt der Zweig, der zerbrochen werden muss? Wer steckt hinter der Produktion? Und wie ist es anderen mit ihren Wünschen ergangen?

Inde Navarrette liefert eine beeindruckende Leistung
Während Michael Johnston einen glaubwürdigen Bear verkörpert, ist es vor allem Inde Navarrette, die den Film trägt. Ihre Darstellung verändert sich im Laufe der Geschichte immer weiter und bleibt dabei jederzeit nachvollziehbar. Sie schafft es, gleichzeitig Mitleid und Angst auszulösen. Genau diese Mischung sorgt dafür, dass ihre Figur nie eindimensional wirkt. Sie liefert eine wirklich eindrucksvolle Performance ab, ob als „Freaky Nikki“ oder als Gefangene ihres eigenen Körpers aufgrund eines Wunsches.
Mehr als nur ein Horrorfilm
Was Obsession: Du sollst mich lieben besonders macht, ist seine Aussage. Der Film stellt unangenehme Fragen darüber, wie schnell Zuneigung in Kontrolle umschlagen kann und welche Folgen entstehen, wenn Menschen glauben, Anspruch auf die Gefühle anderer zu haben.
Dabei verzichtet die Geschichte darauf, einfache Antworten zu liefern. Stattdessen überlässt sie viele Interpretationen den ZuschauerInnen und genau deshalb dürfte der Film noch lange nach dem Abspann für Diskussionen sorgen. Obsession: Du sollst mich lieben verbindet kompromisslosen Horror mit einer überraschend starken emotionalen Ebene. Die beklemmende Atmosphäre, das ungewöhnliche Konzept und eine herausragende Performance von Inde Navarrette machen den Film zu einem Erlebnis, das weit über klassische Genreunterhaltung hinausgeht. Übrigens musste ich bei Bears Namen mehr als einmal schmunzeln, denn gerade nach den endlosen Diskussionen im Internet, ob man lieber einem Mann oder einem Bären im Wald begegnen würde, bekommt diese Figur einen unfreiwillig amüsanten Beigeschmack.
Wer einen Horrorfilm sucht, der nicht nur erschrecken, sondern auch zum Nachdenken anregen möchte, sollte sich Obsession: Du sollst mich lieben nicht entgehen lassen. Für mich gehört der Film schon jetzt zu den eindrucksvollsten Genrevertretern des Jahres.
Im Verleih von Universal Pictures International Germany. Regie, Drehbuch, Schnitt: Curry Barker, mit Michael Johnston, Indem Navarrette, Cooper Tomlinson. USA 2025, 109 min, FSK 16
























