Es kommt hin und wieder vor, dass man bestimmten Produkten begegnet, an denen man nicht vorbeigehen kann. Man weiß, eigentlich hat man da keinen Platz für. Und die Zeit fehlt vielleicht auch. Und hin und wieder gibt man dann sein Geld doch lieber für ein Spiel oder eine Blu-Ray aus – aber als ich die Lego Marvel Superhero Sets gesehen habe, wusste ich, dass kein Weg daran vorbeiführen würde. Sie mussten einen Weg in den Nerdpalast finden! Details

Ich hab letzte Nacht nicht viel Schlaf gefunden. Habe viel am Fenster gesessen, die Sterne betrachtet. Bis irgendwann die Sonne aufging und jeden Millimeter Land beleuchtete.

Wie lange habe ich dort verweilt? Ich weiß es wirklich nicht. Aber das passiert mir jedes Mal, wenn ich im Juli den Kalender ignoriere. Ich weiß genau wann dieser Tag ist – er wird mir ewig in den Knochen sitzen. Es ist besser geworden. Ich kann wieder zu Parties und Konzerten fahren – aber ich sehe mir das Gelände nun immer vorher genau an. In enge Räume gehe ich nicht. Und wenn ich einen Tunnel sehe, drehe ich mich galant um und gehe in die andere Richtung. Man kalkuliert alles ein – Geld, Akku, Gesundheitsstatus. Gilt das Ticket? Regnet es gleich? Wird es kalt heute Nacht? Wie kommt man im Notfall dort weg?
Im Notfall.
Haben wir vor zwei Jahren an einen Notfall gedacht? Haben wir einkalkuliert, dass wir zerquetscht werden würden? Haben wir damit rechnen können, dass eine Panik ausbricht?
Heute schmeckt nichts, es kommt kein Hungergefühl auf. Ich lasse mein Glas mit Wasser stehen und erinnere mich an die starre Angst, die man in ihren Augen sehen konnte. Ich stelle es weg.
Auch nach zwei Jahren fahre ich nicht gern an Duisburg vorbei. Da kann die Stadt rein garnichts für, ehrlich nicht. Es ist nur der Gedanke an all das, was dort passiert ist. Und nicht passiert ist.
Loveparade - Zwei Jahre später
Ich werde es nie vergessen. Und gedenke heute den Menschen, die an einem sonnigen Tag, der glasklar die Sonne auf unsere Haut sandte, umgekommen sind.
Sam.

Liebe Blogleser,

ich wünsche euch ein erfolgreiches neues Jahr 2012!

In den letzten Monaten war es im Blog ja ziemlich ruhig, ich habe keine großen Tutorials mehr veröffentlicht und auch selten mal eine Game Review. Das kommt daher, dass ich wirklich in den letzten Wochen sehr wenig Zeit hatte, um mich um all meine Hobbys, wie auch diesen Blog, zu kümmern. Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass sich das 2012 ändert.

Details

Es ist schon einige Wochen her, es war schwer für mich darüber zu reden, deswegen wusste es bis heute kaum jemand. Es war ein warmer Tag, er glich dem vom letzten Jahr, es war warm, ein paar Vögel waren zu sehen, die Wolken schienen riesig. Doch die Fahrt dorthin tat weh, schmerzte in der Brust, ich konnte nichts sagen. Ich erinnerte mich und weinte sehr, für mich allein, obwohl ich damals nicht allein war.

Ich erinnere mich. Es war ein warmer Tag, es sollte so wundervoll werden. Wir haben uns schon wochenlang darauf gefreut, es sollte ein Tag voller Freude, Musik und Liebe werden. Einfach mal unverhofft nette Worte hören, ein paar verrückte Leute treffen und etwas mitnehmen, ein gutes Gefühl, einen Anstoß auf das noch kommende restliche Jahr. Im Zug trafen wir noch begeisterte Menschen, die Menge tobte und sang, es war ein wundervoller Start in den Tag. Ich dachte noch: So was wie heute erleben wir viel zu selten. Zu viel Hass, zu viel Kummer… Den kann man für einen Tag mal links liegen lassen.

Bis es geschah.

Meine Kehle schnürt sich bei dem Gedanken jetzt noch zu. Wir gingen vom Bahnhof in Richtung Festgelände, auf einmal wurde der Zugang gesperrt, es hieß nur: Wir kontrollieren jetzt jeden, keiner darf mit Glasflaschen ins Gelände rein. Da fingen schon die Organisationsschwierigkeiten an. Mit extrem vielen Menschen in eine abgezäunte Straße reingedrückt zu werden ist keine tolle Vorstellung, aber im ersten Moment schien es noch in Ordnung. Man kennt das ja von Konzerten, viele Leute wollen nach vorne und so weiter. Nur das hier, das ging nicht, es waren tausende von Menschen unterschiedlicher Statur und unterschiedlichen Alters. Irgendwann eskalierte die Situation, es wurden Krankenwagen durch die Menge geschoben und da wussten wir: Das kann nicht gut gehen. Eine Stunde später gingen wir durch den Tunnel, sahen uns am Vorplatz um. Das war ca 15 Minuten vor der Katastrophe. Leute kletterten über Zäune, die Security verhielt sich nicht nur asozial (Entschuldigt den Ausdruck, aber so war es eben. Dumme Kommentare, beschämendes Lachen, blöde Beleidigungen), sondern natürlich auch manche Leute, ganz klar. Wir sahen uns das Spiel kurze Zeit an und dann wussten wir: Wir mussten rennen. Und dann fing die Panik an. Wir sahen leblose Beine unter Decken. Menschen, die wiederbelebt wurden. Es war nicht wie im Fernsehen, das war das reale Leben und der reale Tod. Man kann nichts tun, ist hilflos. Wortlos. Man spürt nichts mehr, es ist ein Schockmoment. In diesen Sekunden denkt man an nichts, außer daran, wie kurz das Leben ist. Und durch was es zerstört werden kann.

Wir liefen weg, so weit wir konnten, plötzlich wurden die Toten gezählt und ich war leer. Minutenlang, Stundenlang. Ich glaube, so hilflos war ich noch nie. Ich, die Planerin, die lebensfrohe Sam stand dort und konnte nichts tun. Außer dafür sorgen, dass wir so schnell wie möglich nach Hause kommen um uns bei denen zu melden, die uns lieben und sich um uns sorgen. In diesen Sekunden erkennt man die wahren Freunde fürs Leben. Wahre Freunde hören zu, richtige Freunde sind da und kümmern sich um das Wohl des anderen. Ich bin für jeden dieser Freunde dankbar, sie sind mir ans Herz gewachsen.

Die Zeit danach war für mich sehr schlimm. Ich konnte kaum damit umgehen, mein kostbarer Schlaf, von dem ich sonst schon sehr wenig bekomme, wurde immer weniger. Viele so genannte Experten äußerten sich, erzählten Lügen, betrogen die Leute um ihre persönliche Trauer. Ich war so wütend. Montags hörte ich nur Sprüche wie „Die Drogenabhängigen haben nichts anderes verdient!“ oder „Diese ungläubigen Satanisten-Bum-Bum-Spinner!“ oder eine Woche später: „Ich kann es nicht mehr hören, Loveparade hier, Loveparade da…!“

Und was ist mit den Familien? Mit den Opfern? Mit den Leuten, die vor Ort waren? Die können und werden das niemals vergessen, da helfen diese Sprüche auch nicht weiter. Ich lebe drogenfrei (Musik ist meine Droge!), ich trinke kaum Alkohol, bin serbisch-orthodox und gläubig. Und ich war auch mittendrin. Und jetzt? Hätte ich solch einen Tod auch verdient? Was haben Einstellungen, Verhaltensweisen oder ein gewisser Musikgeschmack damit zu tun? NICHTS. Und das wollen sehr wenige Menschen akzeptieren.

Die Schuld liegt nicht bei denen, die dort hin sind, um zu feiern. Wer Schuld hat, das bestimme nicht ich, dazu habe ich kein Recht. Aber ich kann sagen: Wir waren es nicht. Und das gerät in Vergessenheit.

Natürlich hat mich das ganze geprägt, ich versuche, das Leben zu genießen und helfe anderen so gut ich kann. Ich habe gelernt, Menschen zu achten, egal woher sie kommen oder was sie für Vorlieben haben. Tolleranz, Verantwortung und die riesige Angst davor, so etwas erneut erleben zu müssen. Das begleitet mich immer. Mich kann seitdem nichts mehr so leicht schocken, denn eine der schlimmsten Situationen habe ich miterlebt.

Ich besuche wieder Konzerte, vor Enge habe ich Respekt, aber ich konnte mich wieder auf sie einlassen. Aber vor Tunneln habe ich eine richtig beschissene Angst. Vor einigen Wochen waren wir auf dem Free your Mind Festival in Holland, alles war in Ordnung, bis ich einen Tunnel sah. Dieser hier war natürlich viel breiter, höher und viel kürzer, maximal 10 Meter. Aber es war schrecklich. Ich musste da weg, ich habe keine Sekunde darin ausgehalten. Ich kann das nicht einfach abschalten oder vergessen, was dort passiert ist. Bei vielen Songs begleitet mich das alles ein Stück. Das zu verarbeiten fällt schwer.

Wen so etwas kalt lässt oder wer davon genervt ist, sollte über sich und sein Leben nachdenken. Ich wünsche niemandem, dass er oder sie jemals wieder so etwas erleben muss. Wenn ich mir Interviews von Angehörigen durchlese, in denen sie den Tag schildern, an dem alles passiert ist, wird mir schwindelig. Was wäre, wenn das meiner Familie passiert wäre? Oder meinen Freunden? Was wäre dann geschehen? Genau dieser Gedanke leitet mich, bevor ich mir über irgendwas jemals wieder ein Urteil bilde.

Ich trauere und gedenke, nicht jedes Jahr, sondern jeden Moment.

Sam.

Siehe auch:

Der Montag nach der Loveparade

Liebe Freunde, Leser, Blogger, Twitterer, Menschen, Aliens, und so weiter…

ein erfolgreiches Jahr 2010 geht zu Ende…
Quark. So wollte ich eigentlich nicht beginnen! 😉

Es ist die letzte Dezemberwoche und ich blicke, während ich meine letzten Kartons packe, auf das Jahr 2010 und das letzte Jahrzehnt zurück. Es ist wirklich so viel geschehen. Und das ist mir erst bewusst geworden, seitdem ich mich aufgerafft habe, um auszumisten.

2000 war für mich ein Jahr der Musik. Ich entdeckte durch eigenartige Zufälle meine ersten richtigen Lieblingsbands, meine Musiksammlung wuchs von heute auf morgen um ein vielfaches an und ich musste mir meine ersten Gedanken um meine Zukunft machen. Es war schwierig und doch zugleich so spannend! Es ging ja nicht nur um den Lebensstandort, den man sich aussuchen musste. Sondern auch darum, wie man dieses Leben finanzieren sollte. Pirat und Superheldin blieben leider außen vor (gefiel mir zwar, aber wurde mir leider ausgeredet, hehe), also musste etwas her, das mehr zu mir und meiner Lebenssituation passte.

Warum ich gerade das Jahr 2000 erwähne? Weil auch heute der letzte Tag ist, an dem man MTV im Free-TV sehen kann. Wenn ich darüber nachdenke, was ich über all die Jahre für Sendungen dort verfolgt habe, wie ich meine ersten Videos und Starinterviews dort gesehen habe, dann stimmt mich das schon glücklich und traurig zugleich. Nun gut, auch an MTV: Bye bye good old friend.

Nach wie vor bin ich ein spontaner Mensch. Ich höre auf eine Mischung aus Bauch- und Kopfgefühl und bin damit immer am besten gefahren. Auch im letzten Jahrzehnt. Ich empfinde die Entscheidung, die ich damals getroffen habe, nämlich eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin anzutreten, noch immer als richtig. Ich weiß nicht, wie es anderen ergangen ist. Ich weiß auch nicht, was andere von dieser Ausbildung denken. Aber damals hat es sich richtig angefühlt – und mit genug Engagement war es das auch.

Das Gefühl, das erste Mal einen Mac auszupacken, war… atemberaubend. Dieser Wertgegenstand hat mir damals alle Türen geöffnet. Über diesen Mac, genannt „Hachiko“ (treues Hündchen), habe ich viel erlebt – Freunde gefunden, Freunde verloren, die ersten eigenen Aufträge bearbeitet, das erste richtige Geld mit meinem Beruf verdient. Es sind nicht viele Freunde übrig geblieben aus der damaligen Zeit, aber es sind umso mehr neue Freunde dazu gekommen. Besonders, wenn Weihnachten vor der Tür steht, merkt man das.

Ich habe auch zu mir gefunden. Mittlerweile 22 Jahre alt, weiß ich, was ich erreichen möchte und was ich werden will. Was damals so unnahbar erschien, erscheint heute nur noch näher und wärmer. Ich habe gelernt, falsche Menschen zu erkennen, Freunde wert zu schätzen und für Gerechtigkeit, Tradition und Anstand einzustehen, auch wenn ich das nicht Hauptberuflich mache wie so manch anderer Superheld auf der Welt. 😉

Es war nicht immer leicht. Besonders nicht, als ich Hals über Kopf nach Stuttgart bin, um dort zu leben (@Zettt erinnert sich sicherlich an die Zeit). Damals hat es leider nicht geklappt, aber die Dinge, die ich gelernt und erlebt habe (@Zettt weiß sicher, was ich meine: Ich sage nur: Rucksack voller Flaschen und blutige Stöckelschuhe! 😀 ), waren es wert.

WM 2010, Serbien, Deutschland, Endspiel, Ergebnis, Tore, Integration, Sommer, Körper, Bräune, Grillen, Würstchen, Bierchen, Bier, WM, Weltmeisterschaft, Südafrika, South Africa, Toleranz, Spiele, Mannschaft, Serbien, Serbin, Srbija, Srpska Republika, Bosna, Bosnien, Qualifikation, qualifizieren, Witzchen, Witze, Sprüche, Fußball, Fussball, Kunst, Ordnung, Fans, Fanatiker, Vorstellungen, offen, weltweit, froh, Veranstaltung, Kultur, Kulturen, Freude, Traurigkeit, Vuvuzela, Farce, Verloren, Gewonnen, Deutschland, Germany, Nationalmannschaft, Hoffnung, neckisch, Freitag, Juni, entgegen fiebern, geboren, aufgewachsen, entscheiden, orthodox, Freundeskreis, gemischt, Spanien, Italien, Bosnien, Respekt, unzumutbar, Beleidigung, Anruf, Scheiße, Ausdruck, Krieg, Mörder, Schere, Schwert, Messer, Generationen, Aussagen, schwarze Schafe, Heimweg, Trikot, Jugendliche, Kragen, schreien, Streit, Marko Marin, Hass, Wut, Tätigkeit, Zweck, Vergnügen, Zerstreuung, Erheiterung, Anregung, Gemeinschaft, Handlungsabläufe,Gemeinschaft, Regeln, Spielregeln, naiv, unterschiedlich, interagieren, Kinder, feiern, tolerant, duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig, Fan Herzen

Es sind gerade 2010 Dinge passiert, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Angefangen bei der WM 2010: Bei dem, was passiert ist, wurde mir erst Recht bewusst, was es heißt, als Ausländer in einem Land zu leben und mit der Kultur eine Übereinkunft zu treffen. Nach diesem Sommer entfachte ja auch die Debatte um Integration (zu der ich mich nicht äußern werde, außer in Bezug auf meine Person).

Ich denke, ich habe mich so gut es ging hier integriert. Ich lebe in Deutschland, zahle alle nötigen Beiträge, gehe einer normalen Arbeit nach und achte die Kultur der anderen. Nur umgekehrt, das funktioniert leider noch nicht so recht. Denn ich lebe meine Kultur, ohne andere einzuschränken. Ich faste meine Fastenzeiten, nehme mir meinen Urlaub, wenn ich mein orthodoxes Weihnachtsfest feiere und glaube auch an alte yugoslawische Märchen (wenn die Nase juckt, gibt es entweder eine drauf oder was geschenkt, hehe! Auf Yugo: „bit ce cascen il razbjen“). Aber deswegen verzichte ich nicht darauf, anderen zu ihren Festen zu gratulieren. Egal welcher Herkunft sie sind oder welcher Religion angehören/nicht angehören. Ich respektiere das vollkommen.

Aber das soll jetzt hier nicht in Multi-Kulti-Diskussionen ausarten! 😉

Gehen wir über zu den Dingen, die in diesem Jahr nicht so erfreulich waren. Auch die müssen erwähnt werden…

Loveparade, Duisburg, 2010, Tote, Trauer, Menschen, Massen, Panik, Ausbruch, Musik, Notfall, Polizei, Horror, Farce, Krankenwagen, Fluchtwege, Sanitäter, Hafen, Massenpanik, DJ, Float, Liebe, Familie, Freunde, Zukunft, Wege, Duisburg City, Bahn, Taxi, 1Live, Einslive, Rocker, Freunde, Party, Fedde le Grand, David Guetta

Erst wenn etwas passiert, weiß man die Dinge zu schätzen, die einem Freude bereiten. Erst dann merkt man, wer sich wirklich Sorgen macht, und erst dann merkt man, wem man wirklich etwas bedeutet.

So war es auch dieses Jahr am 24. Juli 2010. Es sollte ein Tag werden, an dem mein Freund und ich einfach unbeschwert, nach langen stressigen Arbeitswochen, den Tag genießen und einfach Mal Musik hören können. Die Hinfahrt, nach Duisburg, sie war witzig und unterhaltsam, wir haben so viele glückliche Menschen gesehen und kennen gelernt, dass ich einfach mit allem gerechnet habe – mit Regen, Schlamm, Schnee, riesigen Zyklopen oder Aliens. Aber nicht mit 21 Toten in Duisburg auf der Loveparade.

Auch jetzt muss ich um Worte, Atem und Gedanken ringen. Es fällt mir schwer und die Wunden von damals sind noch immer nicht geschlossen, auch wenn man denkt, es wäre so. Es ist nicht so.

Es war einer der schrecklichsten Tage, die ich je erlebt habe. Menschen, Freunde der Musik, sind gefallen und nicht mehr aufgestanden. Getreten, entblößt und von den Medien teilweise so stark beleidigt, dass auch ich mich zu Äußerungen durchgerungen habe, die mir so schwer gefallen sind wie einem Kind ein Eis weg zu legen – gar nicht.

Monate nach diesem Szenario kann ich wieder Musik hören. Ich konnte sogar auf ein Konzert meiner Lieblingsband Limp Bizkit gehen, wieder lachen. Aber es fühlt sich seitdem manchmal nicht mehr richtig an. Es war im Endeffekt ein Jahr, in dem ich mich von Vorstellungen, Werten und Gedanken trennen musste, um neues zu lernen und neues aufzunehmen.

Das hat mich schon alles etwas erwachsener und ernster gemacht. Vertrauen ist so ein mächtiges und schwieriges Wort, dass es auch als Tat nicht mehr so leicht fällt wie früher, wenn man sieht, was sich für Wesen auf diesem Planeten rumtreiben.

Wenn mich jemand neugierig fragt: „Und, fährst du vielleicht wieder zur Sensation White in Düsseldorf?“ dann muss ich das mit Nein beantworten. Diese riesigen Menschenmassen auf einen Schlag, die Musik, der Trailer… All das hat mich an die Loveparade erinnert und ich habe mich dazu entschlossen, es dieses Jahr nicht zu tun. Nicht dort hin zu fahren. Die Veranstaltung an sich kann nichts dafür, im Gegenteil, ich finde das diesjährige Motto wirklich gut.

Nur kann ich es nicht. Ich bringe es nicht übers Herz, dort hin zu fahren um so zu feiern. Es tut noch weh. Mir bleibt die Luft weg, wenn ich in Jahresrückblicken jeder Art die Bilder vom 24. Juli 2010 sehe. Ich werde wütend, wenn ich an all die Menschen denke, die mir damals sagten: „Ach komm, so was muss man einfach hinter sich lassen, so lange denen nichts passiert ist, die du kanntest.“

Aber mit mir ist etwas passiert. Mit meinem Freund auch. Nichts schlimmes, aber im Inneren merkt man das. Ich kann nicht von einem Monat auf den anderen sagen: Es ist vorbei, es ist erledigt. Das will ich auch gar nicht.

Ich werde umso glücklicher, wenn ich all die Menschen treffe, die sich um uns gesorgt haben. Mit den Menschen reden kann, die das verstehen. Wahre Freunde treffe, die alles stehen und liegen lassen, um einen zu umarmen. Meine Familie sehe und darüber glücklich bin, dass es uns gibt.

Aber ich möchte auch von den guten Dingen erzählen, so ist es nicht. Die Druck- und Medienindustrie hat sich auf einigen Märkten wirklich etabliert und mittlerweile gibt es mehr Kunden, die sagen: Ja, ich lege wert auf ein gutes, ansprechendes und dementsprechend perfekt vergütetes Design. Ihr werdet lachen und denken: „Bei mir ist das jedenfalls nicht immer so!“

Aber es ist teilweise so. Der allgemeine Geschmack hat sich auch in den letzten Jahren verändert und man kann dank des Internets feststellen, dass die Leute ihre Agenturen mit Bedacht aussuchen. Oder auch ihre Illustratoren.

Ich liebe Kundengespräche. Etwas neues erschaffen, darüber nachdenken, wie es ankommt und worauf es ankommt. Was will man vermitteln? Wenn ein Kunde vor mir sitzt, der vom gleichen Schlag ist wie ich, was nicht sehr oft vorkommt, dann merke ich: Auch er hat für seine Position gekämpft und will dies als Ästhet zeigen.

So oder so ähnlich soll es auch 2011 weiter gehen.

Und was mache ich jetzt? Ich packe weiter meine Kartons und löse mich vom Rechner, danach werden diese Kartons in meine neue Heimat verfrachtet und danach… Verreise ich wie jedes Jahr im Januar und besuche meine Familie. Ich wünsche Euch ein frohes neues Jahr und allen orthodoxen ein schönes Weihnachtsfest im Januar.

Warum ich am 7.1.2011 erst Weihnachten feiere? Das könnt ihr hier nachlesen!

Wir sehen uns wieder am 11. Januar 2011, wie fast jedes Jahr! 🙂

Neujahr, Jahresrückblick, 2010, 2011, Was ist 2010 passiert, Geschichte, Story, Erlebnis

Eure

Sam

Unsere Eltern bringen uns bei, wie man im Bus in dem Moment das Knöpfchen drückt, in dem man weiß, dass man aussteigen möchte. Wir sehen sie mit großen Augen an und denken, sie hätten uns die Welt in 30 Sekunden erklärt.

Loveparade, Duisburg, 2010, Tote, Trauer, Menschen, Massen, Panik, Ausbruch, Musik, Notfall, Polizei, Horror, Farce, Krankenwagen, Fluchtwege, Sanitäter, Hafen, Massenpanik, DJ, Float, Liebe, Familie, Freunde, Zukunft, Wege, Duisburg City, Bahn, Taxi, 1Live, Einslive, Rocker, Freunde, Party, Fedde le Grand, David Guetta

Doch wir wachsen auf und haben andere Mentoren. Für die einen ist es vielleicht Kunst, die ihnen zeigt, wie schnell ihr Herz schlägt. Vergänglich, wie ein Pinselstrich von vielen, aber standhaft wie eine Skulptur, die Jahrhunderte überlebt.

Bei uns ist es die Musik, die uns hilft. In herzzerreißenden Momenten flickt der Beat die Wunden eines Erlebnisses, im nächsten lässt die Stimme mit den wohlklingenden Worten die Narben verheilen. Jahre später, während wir in Bars sitzen, nachts mal arbeiten, im Auto in die nächste Stadt fahren oder während wir mit wildfremden Menschen zusammen in einer für uns wildfremden Stadt zu bekannten Platten tanzen wollen, werden wir an vergangenes erinnert. Momente verstreichen.

Kein Lied, das es jemals geben wird, wird mir die Freude auf solche Momente und Erinnerungen wiedergeben können, die ich am Samstag, am Tag der Loveparade in Duisburg gelassen habe.

Schreie und aufgerissene Augen beissen sich durch mein Herz und lassen meine Stimme ihren Halt verlieren, wenn man mich an diesem Montag Morgen fragt, wie es mir geht und ob ich dort war.

Aufstehen, sich motivieren zur Arbeit zu gehen, fällt schwer, gerade wenn man seine Arbeit liebt. Bis zum Bahnhof zu laufen um in die Bahn einzusteigen wird zu einer traurigen Angelegenheit, da ich nicht dazu in der Lage bin auch nur einen Moment die Kopfhörer meines iPods in meine Ohren zu schieben. Die Fahrt zum nächsten Bahnhof, um dort in den Bus einzusteigen, erinnert an die Nacht, in der wir versuchten, heim zu kommen.

Ich habe heimweh. Will mich an meine Familie drücken und irgendwas tun.

Doch ich habe in Duisburg auch etwas gewonnen: Das Leben meiner Lieben noch mehr zu schätzen und in schweren Zeiten Courage zu zeigen, anders als die Verantwortlichen gestern bei der so genannten Pressekonferenz. Andere zu respektieren und genau hinzuhören, wenn sie ihre Meinung sagen, anders als die für mich ganz schwer gestörte Eva Hermann, die anscheinend bei ihrer Geburt jegliche Gefühlsstränge rausoperiert bekommen hat.

Wenn wir alle jeden Tag wüssten, was uns erwarten würde, wären wir keine Menschen, sondern perfekte Wesen, die ihre Zukunft voraussagen könnten. Aber wenn sie diese Gabe hat, bitte! Dann soll sie sich Nostra-Hermann nennen und ihre eigenen Centurien verfassen.

Egal.

Unbekümmert durchs Leben zu gehen ist kein Wunsch mehr, sondern ein Luxus, den ich mir beizeiten irgendwann wieder erlauben möchte, wenn die Wunden heilen und nur noch bestimmte Momente daran erinnern, wie wir dem Tod entronnen sind. Bis dahin versuche ich erneut, wieder im Alltag anzukommen. und für die Verbliebenen zu beten.

Abschlussworte finde ich nicht. Es ist ja auch kein Schluss, sondern eine weitere Abzweigung im Leben, die man eben ungeplant nehmen muss.

Sam Subotic

Es ist vorbei. Es wird keine Loveparade mehr geben.

Die Pressekonferenz? Eine Farce.

Lügen. Viele Lügen, Ungereimtheiten, unmenschliche Aussagen.

Ich weiß nicht mehr, was ich zu solchen dämlichen (sorry) Aussagen noch berichten soll.

Ich bete dafür, dass die Verantwortlichen gefunden und richtig bestraft werden!

Loveparade, Duisburg, 2010, Tote, Trauer, Menschen, Massen, Panik, Ausbruch, Musik, Notfall, Polizei, Horror, Farce, Krankenwagen, Fluchtwege, Sanitäter, Hafen, Massenpanik, DJ, Float, Liebe, Familie, Freunde, Zukunft, Wege, Duisburg City, Bahn, Taxi, 1Live, Einslive, Rocker, Freunde, Party, Fedde le Grand, David Guetta

Hier geht es zum Loveparade Hilfeportal auf Facebook. Ich stehe unter Schock und kann nichts mehr dazu sagen, außer dass wir Gäste der Loveparade einfach versucht haben unser Leben zu retten. Hoffentlich werden die richtigen zur Rechenschaft gezogen.

Herr Schreckenberg, Sie gehören zu den Verantwortlichen und haben absolut keine Ahnung. Wenn ich höre, was SIE sagen, wird mir schlecht. Unverschämt! Ihre Worte zu diese Vorfällen sind eine Farce. Herzlos und unpassend.

Ich kann es wirklich nicht fassen. Was ich heute erlebt habe, was ich gesehen habe… Es ist ein schreckliches Erlebnis gewesen.

Loveparade, Duisburg, 2010, Tote, Trauer, Menschen, Massen, Panik, Ausbruch, Musik, Notfall, Polizei, Horror, Farce, Krankenwagen, Fluchtwege, Sanitäter, Hafen, Massenpanik, DJ, Float, Liebe, Familie, Freunde, Zukunft, Wege, Duisburg City, Bahn, Taxi, 1Live, Einslive, Rocker, Freunde, Party, Fedde le Grand, David Guetta

Wir waren heute auf der Loveparade in Duisburg. Es war eine Farce – wir wurden zusammengefächert und durften nicht vor und nicht zurück. Es gab keine Notfallwege, die Menschen wurden zu allen Seiten weggedrückt damit ein Krankenwagen durchfahren konnte. Dazu kommen natürlich die ganzen asozialen (entschuldigt bitte den Ausdruck) Idioten, die einfach noch mehr drückten und mit den Ellenbogen Frauen in die Rippen schlugen damit sie vorbei kommen konnten.

Mein Freund und ich kamen bis zu dem Horrorplatz, an dem später die Massenpanik ausgebrochen war – als wir aber sahen, dass die Leute, Polizisten und Sanitäter außer Kontrolle gerieten, haben wir das Gelände auf schnellstem Wege verlassen und sind in Ruhe Richtung Hafen gegangen. Es bringt nichts – so sehr man die Floats und die DJs sehen möchte – mir ist mein Leben wichtig. Ich liebe Musik und sie hat mein Leben erweitert – aber deswegen werde ich es nicht aufs Spiel setzen um ein paar DJs zu sehen.

Ein paar Duisburger haben uns bestätigt, dass der Platz für ca. 300.000 Menschen ausgelegt war – und wie viele sind gekommen? 1,5 Millionen! EINS KOMMA SECHS MILLIONEN MENSCHEN.

Und 19 davon kommen nie wieder nach Hause zurück.

Viele wollten unbeschwert feiern, ihren Lieblings DJ sehen. Tanzen und andere Leute kennenlernen.

Und nun sind wir zu Hause und können es nicht fassen.

Wir hatten Karten für die 1Live Rocker und Freunde Party – wir sind dort hin gefahren, doch es herrschte bei 80% der Leute eine traurige und traumatische Stimmung. Der Rest war betrunken und bekam nichts mehr mit.

Wir sind daraufhin gegangen – es erschien makaber, zu tanzen, zu feiern. Mir war das Geld für den Eintritt egal – ich wollte nur nach Hause.

Ich bin froh, dass uns nichts passiert ist. Wir hatten einen großen Schutzengel, und in diesen Stunden merkt man mehrere Dinge:

1. Wer wirklich die wahren Freunde sind
2. Wie wichtig es ist, eine Familie zu haben
3. Wie schön es ist, wenn man dazu in der Lage ist, auch ohne Drogen Spaß zu haben (denn die Musik ist meine Droge)

und vor allem:

4. wie wichtig das Leben ist.

Heute habe ich eins gelernt: Dass ich mein Leben nie wieder Menschen anvertraue, die von der Materie keine Ahnung haben. Aufgrund von einer grottigen Organisation wurden an diesem Tag Familien zerstört. Es wurden Freunde genommen. Die Bilder der Leichen, wie sie notdürftig mit einem weißen Laken verdeckt worden sind, bekommt man nicht mehr aus dem Kopf.

Ich bin so unendlich traurig. Geschockt, fassungslos.

Mein Respekt für Fedde le Grande und David Guetta, die sich geweigert haben, weiterhin aufzulegen. Tut mir leid, ich hätte sie auch gern gesehen – aber wie soll man als DJ die Massen zufrieden stellen, wenn gerade 18 Menschen (und wer weiß wie viele mehr) gestorben sind?

Könntet ihr das?

Ich jedenfalls nicht. Es war die richtige Entscheidung. Ich weiß nicht, wie ich das verarbeiten kann, was ich dort heute gesehen habe. Gefühlt habe.

Überlegt Euch gut, was ihr mit eurem Leben anfangen wollt – ich werde es nicht mehr für unschöne Augenblicke verschwenden, sondern versuchen, es mit meiner Familie und meinen Freunden zu genießen.

Ich bin so durcheinander und… Entschuldigt bitte alle Fehler in diesem Post, aber ich kann nicht mehr. Ich will nicht mehr.

Ich trauere mit. Ohne Worte.