Nach den dramatischen Ereignissen von Spider-Man: No Way Home hätte man erwarten können, dass Marvel die Geschichte mit noch größeren Bedrohungen und spektakuläreren Kämpfen fortsetzt. Stattdessen schlägt Spider-Man: Brand New Day einen überraschend ruhigen Ton an. Regisseur Destin Daniel Cretton nutzt die Gelegenheit, Peter Parker endlich den Raum zu geben, den seine Figur schon lange gebraucht hat und das Ergebnis ist kein bombastisches Multiversum Spektakel, sondern ein persönlicher Film über Verlust, Einsamkeit und die Suche nach dem eigenen Platz in einer Welt, die ihren größten Helden vielleicht vergessen hat.
Peter Parker muss lernen, mit sich selbst zu leben
Zum ersten Mal steht Peter Parker wirklich allein da, denn niemand erinnert sich mehr an ihn. MJ und Ned führen ihr Leben weiter, während Peter jeden Tag aufs Neue mit den Konsequenzen seiner Entscheidung aus No Way Home leben muss. Genau diese Ausgangslage macht Brand New Day so interessant, denn der Film erzählt weniger von Spider Man als Symbol, sondern vielmehr von Peter als Mensch. Neben ihm sind seine ehemaligen FreundInnen auch älter geworden und stehen selbst an einem Wendepunkt ihres Lebens. MJ versucht ihren Platz im Berufsleben zu finden, während Ned die Wahrheit über Spider Man noch immer nicht vollständig loslassen kann. Peter dagegen kämpft mit einer spürbaren Einsamkeit, die durch die alltäglichen monotonen Aufgaben noch unterstrichen wird. Die körperlichen und seelischen Wunden der vergangenen Jahre begleiten ihn auf Schritt und Tritt und machen deutlich, welchen Preis ein Held tatsächlich bezahlt. Immer wieder blickt der Film auf Peters Vergangenheit zurück und erinnert daran, was dieser junge Mann bereits durchstehen musste: Die Abenteuer mit den Avengers, der Verlust seiner Tante May und schließlich das Opfer, alle Menschen zu verlieren, die ihm etwas bedeutet haben, hinterlassen sichtbare Spuren.
Natürlich könnte man denken, dass sich dahinter Fanservice-Momente verbergen, aber stattdessen erlebt man mit, wie Peter an seinen Erfahrungen gewachsen ist. Jede Niederlage, jeder Verlust und jede Entscheidung formen den Menschen hinter der Maske weiter und genau darin liegt die emotionale Stärke des Films. Natürlich kommt auch die Action nicht zu kurz und besonders schön anzusehen ist dabei die Dynamik zwischen Spider Man und dem Punisher. Ihre Dialoge bringen eine angenehme Portion trockenen Humor mit, die stellenweise an das Zusammenspiel zwischen Deadpool und anderen Marvel Figuren erinnert. Dabei verliert der Film jedoch nie seinen ernsteren Grundton.

Dem gegenüber steht ein neuer Gegner, der deutlich weniger greifbar ist als viele seiner Vorgänger. Ohne zu viel vorwegzunehmen, gelingt es dem Film, eine Bedrohung aufzubauen, die weniger durch ihre bloße Stärke als vielmehr durch ihre Unberechenbarkeit funktioniert. Peter muss lernen, nicht nur gegen einen neuen Feind zu kämpfen, sondern auch gegen die Zweifel in seinem eigenen Inneren. Was Spider-Man: Brand New Day besonders macht, ist sein Platz innerhalb des Marvel Cinematic Universe. Der Film fühlt sich bewusst menschlicher an als seine Vorgänger und genau das ist seine größte Stärke. Statt permanent den nächsten Schockmoment anzuteasen, nimmt sich die Geschichte Zeit für ihre Figuren und ihre Entwicklung. Gleichzeitig schwebt über allem das Gefühl, dass dies nur die Ruhe vor dem Sturm ist. Während sich New York sicher fühlt, weil Spider Man über die Stadt wacht, zeichnet sich am Horizont bereits etwas deutlich Größeres ab. Gerade mit Blick auf Avengers: Doomsday wirkt Brand New Day wie das tiefe Durchatmen vor dem nächsten gewaltigen Kapitel des MCU.
Fazit
Spider-Man: Brand New Day ist kein Film, der versucht, seine ZuschauerInnen mit immer größeren Explosionen oder ständig neuen Multiversum Ideen zu beeindrucken, stattdessen erinnert er daran, warum Peter Parker seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Superhelden überhaupt gehört. Tom Holland liefert eine seiner bislang emotionalsten Darstellungen ab und zeigt einen Helden, der nicht an übermächtigen Gegnern zu zerbrechen droht, sondern an seiner eigenen Einsamkeit. Gerade diese menschliche Seite verleiht dem Film eine ungewohnte Tiefe und zusammen mit einem stimmungsvollen Aufbau, gelungenen Charaktermomenten und dem Gefühl, dass sich hier langsam das nächste große Kapitel des MCU vorbereitet, entsteht ein Spider Man Film, der vielleicht nicht der lauteste, aber einer der persönlichsten der gesamten Reihe ist.























