Христос се роди – Ваистину ce роди | Hristos se rodi – Vaistinu se rodi

by • 7. Januar 2010 • Bosnien, Diary, Heimatgefühle, Saison, Sehenswert, Serbien, Serbisch Orthodox, WOOHOOOOooComments (3)6752

Ja, wie ich hier erwähnte, bin ich ja eigentlich nicht da und voll in meiner Internetfreien Zeit. Bin ich auch! Aber dieses Mal müsst ihr euch mit einem automatisierten und geplanten Beitrag abgeben. (Kleine Ausnahme, hehehe!)

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Auch wir haben nun Weihnachten und gerade sitze ich sehr wahrscheinlich am Weihnachtstisch und koste von all den Leckereien, die wir Tage zuvor vorbereitet haben. Ich habe mir überlegt, euch dieses Jahr mehr davon zu erzählen, da sehr oft Geschichten, Traditionen und Bräuche durcheinander gebracht oder verdreht werden…

Wie wir orthodoxen uns auf die Weihnachtszeit vorbereiten

Bei uns gibt es vor unserem traditionellen Weihnachtsfest im Januar eine Fastenzeit, die besagt, dass man keine Eier-, Milch- und Fleischprodukte zu sich nehmen soll. Man reinigt seinen Körper und den Geist von all diesen schweren Dingen die man mit sich rumträgt und stärkt seine Willenskraft und den Charakter. Traditionell beginnt die Fastenzeit meist Ende November und nachdem man die erste Woche gefastet hat geht man Sonntags in die Kirche, um die Messe zu besuchen, eine Beichte abzulegen und das heilige Brot und Blut Jesu zu empfangen.

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Unsere Beichte läuft aber ein wenig anders ab als die, die ich von der katholischen Kirche her kenne. Bei uns gibt es keinen Beichtstuhl, sondern man stellt sich schön der Reihe nach an und geht zum Priester, der einen segnet und fragt, ob man gefastet hat und seine Sünden bereut. Man muss seine Sünden nicht aufzählen, wenn man nicht möchte – außer, man möchte sich das Leid von der Seele reden, was ja manchmal nicht verkehrt ist. Auch unsere Priester haben eine Schweigepflicht.

Wer mehr darüber erfahren möchte, dem lege ich diesen Wikipediaeintrag ans Herz.

Nach der Messe in der Kirche versammelt man sich meist im Gemeinde-Café um zu plaudern, gemeinsam eine Mahlzeit einzunehmen oder einfach nur um einen Kaffee zu trinken. So sollte es eigentlich jeden Sonntag sein.

Hier in NRW gibt es unter anderem eine schöne orthodoxe Kirche in Düsseldorf und auch in Köln.

Viele Leute die ich in meinem Leben kennengelernt habe sagen meist die gleichen Sätze:

„Das ist doch übertrieben mit dieser Fasterei!“
„Das ist doch nicht gut für die Gesundheit!“
„Ich könnte das nicht, das ist viel zu kompliziert!“
„Mir würde das auf die Nerven gehen, dauernd jede Zutatenliste durchlesen zu müssen!“
„Ich wüsste gar nicht, was ich kochen sollte!“

Doch ich kann Euch beruhigen, es ist wirklich nicht schlimm. Wir haben sehr viele traditionelle Rezepte, die eine ausgewogene Ernährung bewerkstelligen und unterstützen. Außerdem tut es dem Körper auch mal gut, ein wenig auf die typischen Fettfresser zu verzichten.

Seit die vegane Küche so modern geworden ist, gibt es auch genug Foren, die sich mit Rezepten aller Art auskennen. Die vegane Küche ist für uns ideal, denn sie beinhaltet keine tierischen Zutaten, die wir sowieso nicht zu uns nehmen dürfen.

Unser Nikolaus-Tag findet am 19. Dezember statt und ist eines der wichtigsten und größten Feste im Jahr. Jede serbisch-orthodoxe Familie hat einen Schutzpatron, den er feiern sollte. Dies ist bei meiner Familie der heilige Nikolaus. Kinder bekommen beim Kirchgang kleine Pakete mit Spielzeugen und Süßigkeiten, es wird gefeiert und man lädt andere zu sich ein, um diesen Tag zu feiern.

Vorbereitungen – Tradition und Familienbande

Ja, auch wir bereiten uns auf Weihnachten vor. Ich berichte nun aus meiner Sicht, es kann natürlich sein, dass andere Serben noch einige Bräuche mehr oder weniger einhalten oder anders abhalten. Bitte habt Nachsicht – so habe ich es gelernt und nur so kann ich es erzählen.

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Es fängt ca. eine Woche vor Weihnachten an, man sucht schon die ersten Rezepte für Kuchen, Plätzchen und Gebäck raus, sucht sich ein Lamm (mjam… ) aus und fängt an, das Haus zu dekorieren.

Jetzt beginnen erst die richtigen Traditionen! Am Morgen des 6. Januar, „Badnji dan“ (Heiliger Abend, Heiligabend) gehen die Männer des Hauses auf die Suche nach einem geeigneten Weihnachtsbaum und tragen ihn vor das Haus. Doch Moment, was ich vergessen habe zu erwähnen – wir haben keinen Tannenbaum als traditionellen Weihnachtsbaum, sondern den Eichenbaum! Der Badnjak hat in unserer Kultur einen besonderen Status und wird auch mit unserem Silvesterfest am 13. Januar verbunden.

Tagsüber trifft man die letzten Vorbereitungen. Es wird ein Lamm auf einem Spieß gedreht, das Haus wird aufgeräumt und der Weihnachtstisch gedeckt, man trägt Stroh ins Haus und verteilt es unter dem Tisch sowie an der Stelle an der später der Weihnachtsbaum stehen soll. Warum? Dies soll an die Geburtsstätte von Jesus Christus erinnern. Außerdem sollen Kinder unter dem Weihnachtsbaum im Stroh spielen, wenn man einen größeren Wunsch nach Kindern in sich trägt. Dies soll Glück und Kinder mit sich bringen.

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Von dem Weihnachtsbaum werden 3 dicke und 1 dünner Ast abgetrennt – doch dazu später mehr.

Am Abend, bei Einbruch der Dunkelheit, gehen alle Lichter im Haus aus. Die Frauen verstecken sich im Bereich der Eingangstür und die Männer müssen überraschend reinschneien und alle müssen sich mit Weizen bewerfen und „Sretna Badnjica“ rufen – „Fröhlichen heiligen Abend“, frei übersetzt.

Wenn der Badnjak geschmückt wurde, geht es um die Wurst – naja, nicht wirklich, denn noch darf man keine essen, hehe!

Es geht zum traditionellen „Kvocanje i Pijukanje“ über. Das ist eigentlich der lustigste Teil des Abends, der das traditionelle Weihnachtsgeschenk symbolisieren soll. Es versammeln sich alle Familienmitglieder um die Hausälteste Dame im Haus, die aus einer Schüssel mit Süßigkeiten, Walnüssen und Geldstücken wirft. Die anderen Familienmitglieder gehen auf alle Viere und müssen tierische Geräusche machen. Ja, ich weiß, das klingt lustig, ist es auch! Besonders mit den Männern, die alle nach dem Geld greifen (das sie später sowieso den Jüngeren geben). Man lacht, hat Spaß und lässt sich fallen. So schnell vergisst man die Sorgen des letzten Jahres!

Dann kommen die drei dicken Äste ins Spiel. Diese werden nacheinander aufgereiht und mit einem Löffel Honig bestrichen. Man küsst die Stelle mit dem Honig und sagt: „Ich küsse das Bäumchen, damit XXX mich küsst!“ Zum Beispiel:

„Ich küsse das Bäumchen, damit mich die Frauen küssen!“ (Heiratswillige)
„Ich küsse das Bäumchen, damit mich das Geld küsst!“ (Arbeitssuchende)
„Ich küsse das Bäumchen, damit mich die guten Noten küssen!“ (Kinder)

oder wie ich: „Ich küsse das Bäumchen, damit mich ein Mac Pro und ein 30 Zoll Cinema Display küssen!“ *Spaß* Sorry, der musste sein!

Ein traditionelles Abendessen folgt, mit Fischfilets mit Beilage, gestampften Bohnen und leckerem, warmen Brot. MJAM! Aber meistens isst kaum jemand was, weil alle sich auf den nächsten Tag freuen.

In der Nacht vor dem Weihnachtsmorgen schläft man eigentlich nicht wirklich, weil man in den letzten Vorbereitungen steckt. Aus dem einen kleinen dünnen Ast, den man aufgehoben hat, werden jetzt zwei kleine Stückchen Holz geschnitzt: Jaram i Ručica. Das sind zwei so geformte Hölzchen:

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Und ein Geldstück wird vorbereitet. Wofür man diese drei Dinge braucht? Das folgt jetzt!

Cesnica – Das gesegnete Brot des Weihnachtsfestes

Die Cesnica ist das Brot, welches für den nächsten Weihnachtsmorgen gebacken wird. In dieses Brot kommt keine Hefe, sondern Mehl, ein bisschen Fett (idealerweise aufgefangen beim drehen des Lamms über dem Feuer) und warmes Wasser. Wenn das Brot fertig geknetet wurde, werden die drei Teile (Die beiden Hölzchen und das Geldstück) von der Hausdame, die das Brot anfertigt, im Brot versteckt.

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Das Brot wird bei uns nicht geschnitten, sondern von der Hausdame in Stücke gebrochen. Jedes Familienmitglied erhält ein Stück des Brotes, und derjenige, der eins der Hölzer oder das Geldstück findet, dem steht in dem Jahr folgendes bevor:

Jaram: Wer dieses Holzstückchen zieht, der wird das ganze Jahr schwer schleppen und arbeiten. Einerseits gut, dann ist man wenigstens beschäftigt. Andererseits… *grins*

Ručica: Dieses Hölzchen symbolisiert die Arbeit im Stall. Man wird das ganze Jahr über Stallarbeiten erledigen. Hehehe! Im Dreck wälzen! *grins*

Geldstück: Das beliebteste aller Dinge. Denn der, der das Geldstück findet, wird in diesem Jahr besonders viel Glück haben. Wer gerade auf Jobsuche ist, findet eine Arbeit. Oder man hat anderweitig viel viel Glück, beispielsweise bekommt man Kinder oder man kauft ein Haus oder ähnliches.

Es weihnachtet sehr!

Am Morgen des ersten Weihnachtstages geht man natürlich in die Kirche und begrüßt die anderen mit „Hristos se rodi“ (Jesu wurde geboren!) und die Antwort darauf „Vaistinu/Zaista se Hristos rodi“ (Jesu wurde wahrlich geboren!). Nach der Messe geht man nach Hause und nun beginnt das Weihnachtsfest. Der erste Gast des Hauses, der „Polaznik“ (Der Reisende) muss männlich sein und bringt Glück und Frieden für das neue Jahr. Er wird von der Familie reich beschenkt, im Gegenzug spricht er seinen Segen für das neue Jahr aus und verbrennt die 3 Äste mit dem Honig im Kamin und sagt Dinge wie „Ich wünsche dem Haus viel Geld, ich wünsche dem Haus viel Gesundheit.“ etc.!

Dann beginnt das Festmahl! Das Brot wird gebrochen und man isst ein Stück von einem Apfel, geräucherten Käse und ein Stück geräuchertes Fleisch. Und dann startet endlich das Festessen!

Leckere Suppe, serbische Kohlrouladen, Lammfleisch, Gulasch, Pita (Oh das Wasser läuft mir im Munde zusammen!) und alles was man mag. Je mehr auf dem Tisch steht, desto besser. Nicht, um sich den Bauch vollzuschlagen, hehe, sondern zu Ehren Christi Geburt.

Und hier soll auch meine Erklärung enden, der Text war lang genug. Ich wünsche Euch einen wunderschönen Tag und ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig von unserem Fest vermitteln! Sobald ich wieder zurück bin aus meiner internetfreien Zeit werde ich einige Bilder posten.

Sam Subotic Ephourita

Allerliebste Grüße von der automatisierten Sam!

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3 Responses to Христос се роди – Ваистину ce роди | Hristos se rodi – Vaistinu se rodi

  1. Anna Maas sagt:

    Das ist auch mal interessant zu wissen wie orthodoxen ihre Weihnachtszeit feiern, aber das mit der Fastenzeit find ich schon ziemlich hart.

  2. Bojana sagt:

    Hristos se rodi

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