Ich bin/war wütend.

by • 22. Oktober 2009 • Adobe, Art Design, Biografie, Bloggeria, Diary, GRML!, Illustration, Mixed up!, Print, Typografie, WOOHOOOOooComments (17)3414

Und das kommt wirklich nicht oft vor.

Freunde, Bekannte und all die anderen Menschen um mich herum kennen mich als einen friedliebenden, freundlichen, zuvorkommenden Menschen. Ich bin temperamentvoll und ich kann auch mal schlecht gelaunt sein wie andere auch.

ABER DAS! DAS IST DIE HÖHE!

Okay, ja, ich arbeite in der Medienbranche. Ich finde meine Arbeiten und mich gut so. Verbesserungswürdig? Vielleicht, aber jeder bekommt in seinem Leben einen Stil mit, den er meistens auch beibehält. Einige Leute können damit was anfangen, andere nicht. Geschmacksache, ist verständlich und NORMAL.

Was ich aber NICHT verstehen kann ist, wenn andere Leute sich über eine Ausbildung auslassen, die ihrer Meinung nach keine ist. Die nicht erwähnenswert ist. Die es nicht wert ist, mal in die Unterlagen reinzuschauen.

JA, ich bin eine STAATLICH GEPRÜFTE GESTALTUNGSTECHNISCHE ASSISTENTIN. Und ich bin verdammt noch einmal STOLZ darauf. WARUM? Das kann ich Euch sagen!

Monk Monkey cheese cheesing stolz mir doch egal
Diese Geste aus Kindertagen gibt es nicht umsonst!

Ich habe mein Leben lang nach etwas gesucht, nach einer Bestimmung und einer Berufung. Für mich war klar: Ich mache etwas, das mir Spaß macht, das mein Leben erfüllt. Etwas, das ich gut kann und worauf ich stolz sein kann.

Da hatte ich viele Möglichkeiten. Ich kann kochen, backen, mich um einen Bauernhof kümmern wenn ich wollte, Sekretärin oder Kindergärtnerin spielen. Ich könnte Autos reparieren, Wohnungen renovieren. Man hat mich mit vielen Gaben gesegnet, die ich zwar nicht alle zu 100% kann, aber eins kann ich: Ich kann malen. Ich kann zeichnen. Ich kann gestalten. Mir etwas ausdenken, Welten erschaffen, Leute mit meinen Werken begeistern. Ob es eine kleine Strichzeichnung war oder ein langes Projekt. Ich kann Menschen traurig stimmen, ich kann diese Menschen zum nachdenken anregen, sie zum lachen bringen oder sie zur Weißglut treiben. Ich kann sie emotional verändern mit nur einem einzigen Design. Mit einer Idee.

Aber NEIN! Da erscheint es: Das Märchen von den GTA (UND ICH MEINE NICHT DAS RENNSPIEL!!!). Wir armen kleinen GTA. Wir zeichnen ja nur. Bekleben nur irgendwelche Autos und wenn unser glorreicher Tag gekommen ist, dürfen wir auch mal an den Rechner. Wie Aschenputtel.

In ihr steckte auch so viel Potenzial. Welches man aber leider nicht sah, da die böse Stiefmutter (in diesem Fall DIE GERÜCHTEKÜCHE) Asche über ihr Haupt streute, damit man ihre Schönheit und ihr Können nicht sah.

So geht es uns Gestaltungstechnischen Assistenten.

Ich will hier nicht unseren Berufszweig bemitleiden. Oder irgendwen als Bösen darstellen. Keine Sorge, das ist nur eine kleine… Sagen wir, Feststellung. Wir halten den Moment mal fest und halten ihn uns vor Augen.

Jeder hat seine Schwächen. Kein Designer ist perfekt. Aber DAS MUSS ER AUCH NICHT SEIN. Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache: Denn wenn wir alle perfekt wären, bräuchten wir diesen Berufszweig gar nicht. Keine Werbeagenturen, keine Werbung, keine Bildretusche.

Everywhere Überall Irgendwo Nirgendwo
Irgendwo im Nirgendwo…

Ja, ich bin eine staatlich geprüfte Gestaltungstechnische Assistentin. Und ich sage das mit Stolz. Drei Jahre habe ich genauso hart geschuftet wie andere Grafiker, Mediengestalter, Art Direktoren und andere Leutchen aus dem Bereich auch. Ich habe auch tagelang meinen Schlaf und meine Gesundheit geopfert, um meine Prüfungen zu schaffen. Um zu beweisen, dass ich WAS KANN. Das ich ein Zeugnis und diesen Titel verdient habe.

Meine Familie wollte mir nachts den Strom abstellen, damit ich nicht mehr lernen kann. Meine Freunde haben mir meine Bücher weg genommen, damit ich nur eine Minute Spaß haben konnte, während die Prüfungen mir zu Kopf stiegen. Meine Lehrer und mein Ausbildungsleiter mussten sich mit unseren jugendlichen „Problemen“ rumschlagen und zusehen, das wir alles auf den Weg mitbekommen, damit wir, wenn wir wie Rotkäppchen mit unseren Typometern, unserem Kaffee und unseren Farbfächern durch die unendlichen Wälder der Republik schreiten, über den bösen Wolf triumphieren können.

Aber das ist nicht der Punkt. Ich habe es gern getan. Nichts macht mich glücklicher, als abends einen Ausdruck dessen in Händen zu halten, was ich erschaffen habe: Egal was es ist. Deswegen auch mein Zitat: Ein perfekter Tag beginnt mit RGB und endet mit CMYK. Für mich jedenfalls.

Und dann lässt man uns nicht einmal am Telefon ausreden. Es heißt direkt: „Aha, ja, Gestaltungsdingsassi… Jaja… Ähm, wir brauchen jemanden, der die Programme kann… Freihand und Fotostopp… Und so… Ähm. Art Direktor und Grafiker klingt ja so gar nicht nach… Agentur… Ja. Nee. Erfahrung haben Sie sicher gar keine, arbeitslos, was? War ja klar. Wir brauchen hier keinen zum Zeichnen und Autos bekleben!“ KLICK.

DANN SCHAUT EUCH UNSERE ARBEITSPROBEN AN, VERDAMMT NOCH MAL. Schaut euch an, was wir schaffen. Wir schaffen mit unseren eigenen Fingern WELTEN.

Arbeitsproben Portfolio GTA Gestaltungstechnischer Assistent Medien Werbung PR Print
Wo wir landen

Ich habe schon Mediengestalter gesehen, die wussten im 2. Ausbildungsjahr nicht einmal, was eine Vektorgrafik ist. Oder was „Spationieren“ heißt. Ich weiß, von Grundlagen hängt nicht alles im Leben ab, aber: MAN SOLLTE WISSEN, DASS SIE EXISTIEREN.

Es gibt aber auch genügend GTA, die nicht richtig ausgebildet werden. Der Teufelskreis dreht sich… Round and Round, again and again.

Was also tun? Weiterhin einfach den Mund halten, den Kopf senken und denken: „Mich nimmt niemand, weil ich diesen Titel trage…“?

DAS KANN NICHT SEIN!

Es gibt immer gute und schlechte Leute in diesem Bereich. Leute, die keinen Spaß an ihrer Arbeit haben und im Grunde ihres Herzens wissen: Das ist nichts für mich, aber wenn ich schon mit einem Bein drin bin, dann stopfe ich auch das zweite rein. So schlimm wird es nicht sein.

Außerdem finde ich es seltsam, dass es doch immer wieder Leute gibt, die diese Legende von den Gestaltern gibt, die den ganzen Tag nur Folie plotten und mit einem Rakel Busse bekleben.

WIR KÖNNEN NICHT NUR DAS.

Mehr gibt es nicht dazu zu sagen, jedenfalls nicht von meiner Seite aus. Nur eins: Ich finde es schade, dass so vielen Menschen eine Zukunft verwehrt wird, die sie verdient haben. Gibt auch denen eine Chance, die wirklich was auf dem Kasten haben und lasst Euch nicht von einem Titel lenken.

Genug emotionales Getöse. Sam beruhigt sich wieder und arbeitet mutig weiter.

Sam Subotic Samantha Gestaltungstechnische Assistentin Art Direktor Grafikerin Print Web

Bitte nicht um eine leichte Bürde, bitte um einen starken Rücken.
Chinesisches Sprichwort

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17 Responses to Ich bin/war wütend.

  1. AngieDor sagt:

    Hey Sam

    Danke! Klasse geschriebene Wahrheit die leider auch für einige andere Berufe gilt.

    Von mir also einfach mal ein bisschen „Stärke für deinen Rücken“ gesandt ;o}

  2. Anna sagt:

    Wie RECHT du hast!!

    Gibt es leider in den meisten Berufen, so habe ich es aber auch bisher größtenteils nur in Deutschland gesehen.
    Nicht aufgeben und einfach stark bleiben. Aber ich kenne deine Willensstärke ja.

    REVOLUTION! NIEDER MIT DEN GEMEINEN LEUTEN!

  3. Kopf hoch und weiter gehts

  4. Andreas sagt:


    Hallo Sam, ja so ist das, mir erging es als autodidaktischer Tontechniker nicht anders, später habe ich meine Chance nach langer Selbstständigkeit dann doch bekommen und habe in einem eigens für mich eingerichteten Tonstudio mehrere Firmenpräsentationen vertont die dann auch weltweit (Russland, China, USA usw.) vertrieben wurden, ich hatte Glück da ich einen Arbeitgeber gefunden habe der an mich geglaubt hat, nebenbei habe ich denen auch noch eine Komplettsoftware für alle Firmenabläufe programmiert und habe mich in die professionelle Kameraarbeit hineingestürzt.

    Gelernt hatte ich bis dahin nur den Beruf Forstwirt, denn Rest habe ich mir alles selbst beigebracht und damals konnte mir keiner das Wasser reichen.

    Später habe ich dann die nötigen Diplome in Abendkursen nachgeholt. Was ich aber eigentlich ausdrücken möchte ist, Kopf hoch und lass dich nicht unterkriegen, ich habe einige deiner Arbeiten gesehen und die sind Klasse!

    Titel sind Trophäen wichtig ist das du das was du kannst auch tun willst und zwar gerne!

    Also, nimm es dir nicht zu Herzen!

  5. Alecsis sagt:

    Ooooh ja, meine Liebe! Wie gut ich das nachvollziehen kann…

    Ich hatte die gleichen Probleme (BTW: Habe die gleiche Ausbildung) und durfte mir so einiges anhören. Angefangen beim ewigen Praktikanten bis hin zum überaus unqualifizierten Gestalter. Dann natürlich so GEILE Sprüche: „Es tut uns leid, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir uns für jemanden entschieden haben, der unserem Kenntnisstand und unseren Anforderungen entspricht und gerecht wird. Wir hoffen aber, dass Sie eine Arbeitsstelle finden, bei der Sie sich voll austoben können und bei der es viel zu Zeichnen gibt.“

    ORIGINAL COPY-PASTE. Ohne Sch****!

    Deswegen ist man erst einmal besser dran, wenn man als Freelancer arbeitet, glaube mir. Ich seh dich ja seit Jahren eh schon in deiner eigenen Agentur stehen.

    Viel Erfolg und THUCK FEM!

  6. Alecsis sagt:

    BTW: Klasse Selbstportrait! So kennen wir dich :mrgreen:

  7. Sandra sagt:

    Das ist echt nicht normal.. Die sollen froh sein, dass man überhaupt eine Ausbildung macht hier in Deutschland!!! Normal ist das alles nicht.

  8. Dagger sagt:

    Das wrde ich mir nicht zu Herzen nehen. Du würdest doch nicht ernsthaft in einem Laden arbeiten wollen wo solche Leute Entscheidungen treffen dürfen, oder? Siehst Du. :evil:

    Ein kräftiges und weiter gehts!

  9. admin sagt:

    @Dagger: Ich bin nicht wütend wegen den Absagen. Für mich ist es die Tatsache, dass Menschen eine Ausbildung schlecht machen und in eine Schublade stecken…! Es gibt Leute, die kämpfen hart, um gut zu sein. Und das wird zunichte gemacht von irgendwelchen Personen, die so einen Mist behaupten. DAS regt mich auf.

  10. Dagger sagt:

    Das hatte ich auch so verstanden, Fau @admin.

  11. Maik sagt:

    Du weist was Du kannst und nur darauf kommt es an. Wenn Dir Deine Arbeit dazu noch Spass macht, kann Dir die Meinung anderer dazu doch egal sein.

  12. Nina sagt:

    Wie wäre es mit _studieren_ wenn du es doch so sehr drauf hast :)?

  13. admin sagt:

    @Nina: Ich glaube, du hast den Blogeintrag leider nicht verstanden.
    Hier geht es nicht darum, wer was drauf hat und wie gut, sondern, dass es Menschen gibt, die „Können“ nicht würdigen und Leute mit einer Ausbildung runtermachen, ohne überhaupt nur für eine Sekunde irgendwas von ihnen gesehen zu haben. Bitte genau lesen und noch einmal in dich gehen!

  14. CrEEp3r sagt:

    Zitat: „Wie wäre es mit _studieren_ wenn du es doch so sehr drauf hast :)?“

    Böses Foul!
    Sam, ich hab dir ja gesacht: Bald hab ich 2! Cindy und Mandy! Ich kann dir eine ausleihen… xD

    Insider, Leute! Nee, nix homoerotisches oder so, immer cool.

    Zu deinem Blogdingens, beitrag:
    Die Besten und die erfolgreichsten Leute auf unserem Planeten Erde mussten mit Absagen und Niederlagen zurechtkommen. Was sie letztendlich von den anderen unterschieden hat: Sie haben nicht aufgegeben.

    Ich weiß, das ist immer leicht gesagt und sehr schwer umzusetzen manchmal. Auch ich hab meine Krisen, wie jeder auch. Aber am Ende muss man einfach weitermachen.

    Fehler kann man korrigieren. Wenn man jedoch aufgibt ist alles vorbei.

  15. Maninweb sagt:

    Hi, also ich find‘ den Artikel klasse; das muss auch mal gesagt werden.

    Leider ist’s in diesem Lande oft so, dass diejenigen, die etwas – ich sag‘ mal – gelernt haben, entweder schnell in eine Schublade gesteckt werden (also sonst nix können) oder abwertend behandelt werden; so nach dem Motto „ist das alles“. Und diejenigen, die nicht den Weg der Ausbildung gegangen sind, werden als unfähig betrachtet, weil sie ja keine Ausbildung haben. Da fragt man sich manchmal; ja wat denn nu?

    Gerade im Bereich „Design und Kreativität“ ist’s meiner Ansicht nach besonders extrem; nicht umsonst gibt’s den Spruch „brotlose Kunst“. Ich weiss gar nicht, ob’s dafür eine Übersetzung z.B. in Englisch gibt. Meine Erfahrung ist jedenfalls, dass Design und Kreativität hier nicht die Wertschätzung erfahren, die es verdient. Zeigt sich auch an Gehältern, Stundensätzen usw.. Ich meine, z.B. in UK oder USA ist das viel selbstverständlicher, Design usw. vernünftig zu honorieren.

    Andererseits treffe ich hierzulande auch immer wieder auf Menschen, die das anders sehen oder sich einerseits informieren lassen, dann neugierig werden und sich oft erst dann eine Meinung bilden.

    Somit mein Fazit; Kopf hoch und weiter so, Sam! Das schlimmste wäre, von eigenen Überzeugungen Abstand zu nehmen, nur weil ein paar Dumm(i)e(s) es nicht begreifen. Ich wünsch‘ Dir jedenfalls Kraft, Mut und Erfolg dabei

  16. Birgit sagt:

    Nina, du bist ja witzig. Als ob „Studierte“ besser dran wären mit ihren ewigen Trainee-Jahren oder Praktika. Informier dich mal besser.

    Zudem muss man noch sagen, dass es Leute gibt, die müssen erst einmal das Geld fürs Studium zusammenkriegen. Nicht jeder ist von Beruf Tochter/Sohn und nicht jeder bekommt in Deutschland BaFög.

    Unglaublich so was.

    Zum Artikel:

    Ich finde es gut, dass du mal deine Sicht der Dinge gepostet hast. Nicht jeder Designer schafft das/kann das. Das ist wirklich schade.

    Dir wünsche ich alles Gute! Und ich hoffe, dass dieser Berufszweig mehr gefördert wird. Sollte er, denn ich selbst habe zwei GTA unter meinen Angestellten und die haben KEIN Studium und sind supergut!

    Es ist immer das, was man aus sich macht. Nicht wahr?

  17. abi sagt:

    hallo meine kleine sklavin

    ja, deinen beitrag habe ich gelesen. ich werde ihn sogar an mich (männliche form ) anpassen, ausdrucken und nervenden kunden abgeben

    ja, manchmal sprichst du mir aus der seele

Sag was du denkst!