Neujahrswünsche & Gedankengänge 2010/2011

by • 31. Dezember 2010 • Allgemein, Art Design, Bloggeria, Bosnien, Heimatgefühle, Helfen!, Politik, Saison, Scheiß Krawall Penner, Sehenswert, Serbien, Serbisch Orthodox, Web, WM 2010, WOOHOOOOoo, ZockereiComments (1)1951

Liebe Freunde, Leser, Blogger, Twitterer, Menschen, Aliens, und so weiter…

ein erfolgreiches Jahr 2010 geht zu Ende…
Quark. So wollte ich eigentlich nicht beginnen!

Es ist die letzte Dezemberwoche und ich blicke, während ich meine letzten Kartons packe, auf das Jahr 2010 und das letzte Jahrzehnt zurück. Es ist wirklich so viel geschehen. Und das ist mir erst bewusst geworden, seitdem ich mich aufgerafft habe, um auszumisten.

2000 war für mich ein Jahr der Musik. Ich entdeckte durch eigenartige Zufälle meine ersten richtigen Lieblingsbands, meine Musiksammlung wuchs von heute auf morgen um ein vielfaches an und ich musste mir meine ersten Gedanken um meine Zukunft machen. Es war schwierig und doch zugleich so spannend! Es ging ja nicht nur um den Lebensstandort, den man sich aussuchen musste. Sondern auch darum, wie man dieses Leben finanzieren sollte. Pirat und Superheldin blieben leider außen vor (gefiel mir zwar, aber wurde mir leider ausgeredet, hehe), also musste etwas her, das mehr zu mir und meiner Lebenssituation passte.

Warum ich gerade das Jahr 2000 erwähne? Weil auch heute der letzte Tag ist, an dem man MTV im Free-TV sehen kann. Wenn ich darüber nachdenke, was ich über all die Jahre für Sendungen dort verfolgt habe, wie ich meine ersten Videos und Starinterviews dort gesehen habe, dann stimmt mich das schon glücklich und traurig zugleich. Nun gut, auch an MTV: Bye bye good old friend.

Nach wie vor bin ich ein spontaner Mensch. Ich höre auf eine Mischung aus Bauch- und Kopfgefühl und bin damit immer am besten gefahren. Auch im letzten Jahrzehnt. Ich empfinde die Entscheidung, die ich damals getroffen habe, nämlich eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin anzutreten, noch immer als richtig. Ich weiß nicht, wie es anderen ergangen ist. Ich weiß auch nicht, was andere von dieser Ausbildung denken. Aber damals hat es sich richtig angefühlt – und mit genug Engagement war es das auch.

Das Gefühl, das erste Mal einen Mac auszupacken, war… atemberaubend. Dieser Wertgegenstand hat mir damals alle Türen geöffnet. Über diesen Mac, genannt „Hachiko“ (treues Hündchen), habe ich viel erlebt – Freunde gefunden, Freunde verloren, die ersten eigenen Aufträge bearbeitet, das erste richtige Geld mit meinem Beruf verdient. Es sind nicht viele Freunde übrig geblieben aus der damaligen Zeit, aber es sind umso mehr neue Freunde dazu gekommen. Besonders, wenn Weihnachten vor der Tür steht, merkt man das.

Ich habe auch zu mir gefunden. Mittlerweile 22 Jahre alt, weiß ich, was ich erreichen möchte und was ich werden will. Was damals so unnahbar erschien, erscheint heute nur noch näher und wärmer. Ich habe gelernt, falsche Menschen zu erkennen, Freunde wert zu schätzen und für Gerechtigkeit, Tradition und Anstand einzustehen, auch wenn ich das nicht Hauptberuflich mache wie so manch anderer Superheld auf der Welt.

Es war nicht immer leicht. Besonders nicht, als ich Hals über Kopf nach Stuttgart bin, um dort zu leben (@Zettt erinnert sich sicherlich an die Zeit). Damals hat es leider nicht geklappt, aber die Dinge, die ich gelernt und erlebt habe (@Zettt weiß sicher, was ich meine: Ich sage nur: Rucksack voller Flaschen und blutige Stöckelschuhe! ), waren es wert.

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Es sind gerade 2010 Dinge passiert, die mich zum Nachdenken angeregt haben. Angefangen bei der WM 2010: Bei dem, was passiert ist, wurde mir erst Recht bewusst, was es heißt, als Ausländer in einem Land zu leben und mit der Kultur eine Übereinkunft zu treffen. Nach diesem Sommer entfachte ja auch die Debatte um Integration (zu der ich mich nicht äußern werde, außer in Bezug auf meine Person).

Ich denke, ich habe mich so gut es ging hier integriert. Ich lebe in Deutschland, zahle alle nötigen Beiträge, gehe einer normalen Arbeit nach und achte die Kultur der anderen. Nur umgekehrt, das funktioniert leider noch nicht so recht. Denn ich lebe meine Kultur, ohne andere einzuschränken. Ich faste meine Fastenzeiten, nehme mir meinen Urlaub, wenn ich mein orthodoxes Weihnachtsfest feiere und glaube auch an alte yugoslawische Märchen (wenn die Nase juckt, gibt es entweder eine drauf oder was geschenkt, hehe! Auf Yugo: „bit ce cascen il razbjen“). Aber deswegen verzichte ich nicht darauf, anderen zu ihren Festen zu gratulieren. Egal welcher Herkunft sie sind oder welcher Religion angehören/nicht angehören. Ich respektiere das vollkommen.

Aber das soll jetzt hier nicht in Multi-Kulti-Diskussionen ausarten!

Gehen wir über zu den Dingen, die in diesem Jahr nicht so erfreulich waren. Auch die müssen erwähnt werden…

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Erst wenn etwas passiert, weiß man die Dinge zu schätzen, die einem Freude bereiten. Erst dann merkt man, wer sich wirklich Sorgen macht, und erst dann merkt man, wem man wirklich etwas bedeutet.

So war es auch dieses Jahr am 24. Juli 2010. Es sollte ein Tag werden, an dem mein Freund und ich einfach unbeschwert, nach langen stressigen Arbeitswochen, den Tag genießen und einfach Mal Musik hören können. Die Hinfahrt, nach Duisburg, sie war witzig und unterhaltsam, wir haben so viele glückliche Menschen gesehen und kennen gelernt, dass ich einfach mit allem gerechnet habe – mit Regen, Schlamm, Schnee, riesigen Zyklopen oder Aliens. Aber nicht mit 21 Toten in Duisburg auf der Loveparade.

Auch jetzt muss ich um Worte, Atem und Gedanken ringen. Es fällt mir schwer und die Wunden von damals sind noch immer nicht geschlossen, auch wenn man denkt, es wäre so. Es ist nicht so.

Es war einer der schrecklichsten Tage, die ich je erlebt habe. Menschen, Freunde der Musik, sind gefallen und nicht mehr aufgestanden. Getreten, entblößt und von den Medien teilweise so stark beleidigt, dass auch ich mich zu Äußerungen durchgerungen habe, die mir so schwer gefallen sind wie einem Kind ein Eis weg zu legen – gar nicht.

Monate nach diesem Szenario kann ich wieder Musik hören. Ich konnte sogar auf ein Konzert meiner Lieblingsband Limp Bizkit gehen, wieder lachen. Aber es fühlt sich seitdem manchmal nicht mehr richtig an. Es war im Endeffekt ein Jahr, in dem ich mich von Vorstellungen, Werten und Gedanken trennen musste, um neues zu lernen und neues aufzunehmen.

Das hat mich schon alles etwas erwachsener und ernster gemacht. Vertrauen ist so ein mächtiges und schwieriges Wort, dass es auch als Tat nicht mehr so leicht fällt wie früher, wenn man sieht, was sich für Wesen auf diesem Planeten rumtreiben.

Wenn mich jemand neugierig fragt: „Und, fährst du vielleicht wieder zur Sensation White in Düsseldorf?“ dann muss ich das mit Nein beantworten. Diese riesigen Menschenmassen auf einen Schlag, die Musik, der Trailer… All das hat mich an die Loveparade erinnert und ich habe mich dazu entschlossen, es dieses Jahr nicht zu tun. Nicht dort hin zu fahren. Die Veranstaltung an sich kann nichts dafür, im Gegenteil, ich finde das diesjährige Motto wirklich gut.

Nur kann ich es nicht. Ich bringe es nicht übers Herz, dort hin zu fahren um so zu feiern. Es tut noch weh. Mir bleibt die Luft weg, wenn ich in Jahresrückblicken jeder Art die Bilder vom 24. Juli 2010 sehe. Ich werde wütend, wenn ich an all die Menschen denke, die mir damals sagten: „Ach komm, so was muss man einfach hinter sich lassen, so lange denen nichts passiert ist, die du kanntest.“

Aber mit mir ist etwas passiert. Mit meinem Freund auch. Nichts schlimmes, aber im Inneren merkt man das. Ich kann nicht von einem Monat auf den anderen sagen: Es ist vorbei, es ist erledigt. Das will ich auch gar nicht.

Ich werde umso glücklicher, wenn ich all die Menschen treffe, die sich um uns gesorgt haben. Mit den Menschen reden kann, die das verstehen. Wahre Freunde treffe, die alles stehen und liegen lassen, um einen zu umarmen. Meine Familie sehe und darüber glücklich bin, dass es uns gibt.

Aber ich möchte auch von den guten Dingen erzählen, so ist es nicht. Die Druck- und Medienindustrie hat sich auf einigen Märkten wirklich etabliert und mittlerweile gibt es mehr Kunden, die sagen: Ja, ich lege wert auf ein gutes, ansprechendes und dementsprechend perfekt vergütetes Design. Ihr werdet lachen und denken: „Bei mir ist das jedenfalls nicht immer so!“

Aber es ist teilweise so. Der allgemeine Geschmack hat sich auch in den letzten Jahren verändert und man kann dank des Internets feststellen, dass die Leute ihre Agenturen mit Bedacht aussuchen. Oder auch ihre Illustratoren.

Ich liebe Kundengespräche. Etwas neues erschaffen, darüber nachdenken, wie es ankommt und worauf es ankommt. Was will man vermitteln? Wenn ein Kunde vor mir sitzt, der vom gleichen Schlag ist wie ich, was nicht sehr oft vorkommt, dann merke ich: Auch er hat für seine Position gekämpft und will dies als Ästhet zeigen.

So oder so ähnlich soll es auch 2011 weiter gehen.

Und was mache ich jetzt? Ich packe weiter meine Kartons und löse mich vom Rechner, danach werden diese Kartons in meine neue Heimat verfrachtet und danach… Verreise ich wie jedes Jahr im Januar und besuche meine Familie. Ich wünsche Euch ein frohes neues Jahr und allen orthodoxen ein schönes Weihnachtsfest im Januar.

Warum ich am 7.1.2011 erst Weihnachten feiere? Das könnt ihr hier nachlesen!

Wir sehen uns wieder am 11. Januar 2011, wie fast jedes Jahr!

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Eure

Sam

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One Response to Neujahrswünsche & Gedankengänge 2010/2011

  1. Boris sagt:

    Kurz und knapp – sehr schön geschrieben

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